Kurden - eines der ältesten Völker des Mittleren Ostens
fawzi sheho
efrin.net 14.07.2006
Die geschichtlichen Epochen und wissenschaftliche Entdeckungen
bestätigen, dass die Kurden eines der ältesten Volker des Mittleren
Ostens sind.

Sie gehören zu den arischen Völker. Sie haben sich in den
unterschiedlichen Stadien der Geschichte an dem Aufbau der menschlichen
Zivilisation in der Region beteiligt. So haben sie Königreiche und
Imperien vor Christi Geburt gebildet.
Die bekanntesten von ihnen sind das Mitanni- und das Mederreich. Sie
haben ihr Bestes getan und ihre letzten Kräfte verausgabt, um dem Sturm
der Mongolen und Tartaren zu widerstehen.
Auf Grund der geopolitischen Lage Kurdistans blieb das Land eine Bühne
der Kampfe zwischen den Völker und ein Schauplatz von Kriegen. Dies war
die Ursache für ein großes Leiden und Instabilität, die die Entwicklung
der kurdischen Gesellschaft auf allen Ebenen negativ beeinflusst hat.

Insbesondere die erste Teilung des kurdischen Bodens und der kurdischen
Gesellschaft in Folge der Chaldiran -Schlacht im Jahre 1514, die in
einem Abkommen zwischen dem Safawidischen und dem Osmanischen Reich in
Kasri -Sherin im Jahre 1639 beschlossen wurde, hat zu einer
Fehlentwicklung des Zivilisationswachstums geführt und die
Verwirklichung seiner unabhängigen politischen Existenz erschwert.
In den Wirren des 1. Weltkrieges 1914- 1918 und in Folge des Zerfalls
des Osmanischen Reiches wurden die Heimatländer der Volker, die unter
dem Joch der Osmanen lebten, geteilt. Es wurden neue politische
Landkarten und internationale Grenzen für das Gebiet gezogen, die nach
den Interessen und Wünschen der Siegermachte ausgerichtet worden sind.
Dies geschah entsprechend des Abkommens von Sykes -Picot und des
Vertrages von Lausanne. Das kurdische Volk ist bei dieser kolonialen
Maßnahme nicht gut weg gekommen. Seine Heimat wurde zum zweiten Mal
aufgeteilt und einem noch härteren Schicksal ausgesetzt. So wurde
Kurdistan, dessen Einwohnerzahl 35 Millionen und dessen Flache über eine
halbe Million qkm beträgt, unter 4 Staaten, nämlich der Türkei, dem
Iran, dem Irak und Syrien aufgeteilt. Auf diese Art und Weise wurde ein
Teil des kurdischen Volkes von über 2 Millionen Menschen dem gerade
gegründeten syrischen Staat einverleibt.

Der gerade neugegründete Staat Syrien geriet nach seiner Unabhängigkeit
im Jahre 1946 in eine Serie von Militärputschen, die immer wieder
diktatorische Regime gegen das Volk hervorgebracht haben. So war auch
die syrisch -ägyptische Einheit im Jahre 1958 zu sehen, die jede
demokratische Stimme im Keime erstickt hat.
Zu dieser Zeit wurde eine erste kurdische Partei im Jahre 1957 als eine
dringliche Notwendigkeit gegründet, die die Interessen des kurdischen
Volkes auf seinem historischen Boden (Al-Djizira, Kobani, Afrin "Kurd
Dag") vertreten sollte. Sie repräsentierte damit etwa 11 % der
Gesamtbevölkerung in Syrien. Diese kurdische Partei konnte eine Anzahl
kurdischer Intellektueller und die Massen des kurdischen Volkes um sich
sammeln, um seine Ziele und Hoffnungen und seine legitimen nationalen
Rechte zu verwirklichen.
Obwohl diese kurdische Partei für ihre Arbeit einen demokratischen und
friedlichen Weg eingeschlagen hat, wurde sie von den aufeinander
folgenden syrischen Regierungen mit Ablehnung begegnet.
Das "Projekt des Arabischen Gürtels" undeine Fülle von willkürlichen
Unterdrückungsmaßnahmen
Ein erstes chauvinistisches Projekt, das gegen das kurdische Volk
initiiert wurde war das "Projekt des Arabischen Gürtels" das im Jahre
1960 ins Leben gerufen wurde. Nach diesem Projekt wurden die Namen der
kurdischen Ortschaften und Städte umbenannt und arabisiert.
Darauf hin erfolgte am 12.8.1960 die Festnahme der Führung der
kurdischen Partei. Es blieb jedoch nicht dabei.
Ein harter Schlag bzw. ein hässliches Verbrechen wurde verübt, indem man
am 13.11.1960 ein Kino in Amouda in Brand gesetzt hat, wobei 300
kurdische Kinder ihr junges Leben verloren haben.

Kurz nachdem die Einheit zwischen Syrien und Ägypten im Jahre 1961
aufgelost wurde, kam eine Regierung an die Macht, die in ihrer Praxis
noch chauvinistischer als ihre Vorgängerin war. So setzte dieses Regime
auf Grund des legislativen Dekrets Nummer 93 vom 23.8.1962 eine
Ausnahmevolkszahlung in der Provinz Al-Djezira in Gang, mit der am
5.10.1962 begonnen wurde.
Nach dieser Ausnahmevolkszahlung wurden 120.000 kurdischen Mitbürgern
die syrische Staatsangehörigkeit aberkannt. Die Zahl dieser Menschen
stieg mit der Zeit bis zu 225.000 an. 150.000 von ihnen besitzen Auszüge
aus den Zivilregister für Staatenlose, ihnen werden alle zivilen und
militärischen Rechte vorenthalten. 75.000 sind unregistrierte
Staatenlose, sie besitzen keine Auszüge aus irgendwelchen Registern.
Diese Tragödie brachte viel Leid und Probleme für unser kurdisches Volk,
wie z.B.:
Zersplitterung ein und derselben Familie in Burger, registrierter und
unregistrierter Staatenloser.
Vorenthaltung des Rechts auf Arbeit und Anstellung beim Staat.
Vorenthaltung des Rechts auf Beitritt der verschiedenen Gewerkschaften.
Vorenthaltung staatlicher Subventionen für Lebensmittel, z.B. Öl,
Zucker, Tee, Reis usw.
Vorenthaltung des Rechts auf Besitz von Immobilien und Maschinen.
Vorenthaltung des Rechts auf Teilnahme an Wahlen und des Rechts zu einer
Kandidatur
Verweigerung des Rechts auf Reisen ins Ausland.
Vorenthaltung des Rechts auf Übernachtungen in Hotels im Fall des
Verlassens des Heimatortes wegen Arbeit bzw. wegen einer Krankheit.
In der letzten Zeit eine Beschlagnahme von Wohnhäusern.
Das Rathaus von Kamishli hat einen Beschluss verkündet, der diese
Wohnungen zu Staatseigentum erklärte und ihre Eigentümer zur Zahlung von
Gebühren verpflichtete. Das sind Kleinigkeiten aus einer ganzen Fülle
von willkürlichen Unterdrückungsmaßnahmen, unter denen das kurdische
Volk in Syrien leidet und die dann zum Besiedlungsplan des "Arabischen
Gürtels" im Jahre 1973 führten.
Nach diesem Plan wurden die landwirtschaftlichen Gebiete in einer Lange
von 350 km und einer Tiefe von 10-15 km enteignet. Damit wurde
Zehntausenden von kurdischen Familien das gesetzliche Recht und das
Recht auf Arbeit auf dem Land ihrer Ahnen und Urahnen unmöglich gemacht.
Diese Ländereien wurden dann auf arabische Familien verteilt, die die
Regierung von weit entfernt liegenden arabischen Gebieten (Aleppo,
Al-Raqqa) herbei geholt hat. Sie hat 42 arabisch -rassistische
Siedlungen aufgebaut mit dem Ziel, die Demographie des Gebietes zu
ändern und es zu arabisieren.
In Folge dieser rassistischen Maßnahmen hat die Führung der Kurdischen
Demokratischen Partei in Syrien (Al-Party) eine Erklärung herausgegeben,
um die negativen Ergebnisse dieses Planes herauszustellen, und um die
syrische Regierung aufzufordern, diesen Plan noch einmal zu überdenken.
Die Antwort der Regierung war jedoch die Festnahme der Führung dieser
kurdischen Partei im Jahre 1973, deren Haftzeit über 8 Jahre betrug.
Die Kette der chauvinistischen Politik gegenüber dem kurdischen Volk hat
kein Ende gefunden.
So hat diese chauvinistische Politik dazu geführt, dass staatliche
Bedienstete im Jahre 1986 wahrend einer friedlichen Demonstration in
Damaskus anlässlich eines Newroz-Festes auf die Demonstranten schossen,
was dazu führte, dass ein junger Mann namens Sulaiman Adi getötet und
viele andere Demonstranten verwundet wurden.
Hinzu kommt, dass am 11.11.1986 der Gouverneur der Provinz Al-Hasaka
einen Beschluss mit der Nummer 1012 /S /25 verkündete, nachdem die
kurdische Sprache an den Arbeitsstellen verboten wurde.
Ebenso wurde ein weiterer Beschluss mit der Nummer 1865 /S /25 am
3.12.1989 erlassen, der kurdische Lieder auf Festen und Hochzeiten
untersagte.
Ferner wurde 1992 ein Beschluss mit der Nummer 122 vom Innenminister mit
dem Inhalt erlassen, dass die für die Namensgebung der Kinder die
Sicherheitsdienste zuständig sind. So wurde die Registrierung Dutzender
Kinder abgelehnt, weil ihre Angehörung kurdische Namen für sie
ausgesucht hatten.
Ein weiterer Beschluss des Gouverneurs von Al-Hasaka vom 24.2.1994
führte zur Schließung von kurdischen Geschäften und Handwerksbetrieben,
die einen kurdischen Namen trugen.
Der Beschluss Nummer 2122 vom 5.5.1998 betraf die Arabisierung von 209
Dörfern mit kurdischem Namen.
Ebenso führte der Beschluss Nummer 798 vom 20.4.2000 des politischen
Sicherheitsdienstes und des Gouverneurs von Aleppo zur Schließung der
Verkaufsladen für Video- und Tonkassetten und sie wurden versiegelt.
Diese chauvinistische Politik seitens der syrischen Regierung gegen das
kurdische Volk ist immer noch im Gange. So werden jährlich kurdische
Studenten von den Instituten verwiesen, ebenso werden Arbeiter versetzt
und entlassen unter dem Vorwand, sie würden eine Gefahr für die
Staatssicherheit bilden.
Das syrische Regime vernachlässigt absichtlich die kurdischen Gebiete,
die sehr reich an Erdöl sind. So ist Al-Jezira eine Region, die zwischen
der beiden Flüssen Tigris und Euphrat liegt, wo sich fruchtbare
Ländereien befinden. 80 % der Getreide- und Baumwollernte, die in Syrien
produziert wird, stammt aus dieser Region.
Ebenso ist das kurdische Gebiet um Afrin eine reiche Region mit
Olivenplantagen, mit einem hohen Erzvorkommen wie Eisen und hat darüber
hinaus auch eine landschaftliche Schönheit.
Die kurdische Bewegung in Syrien - trotz Spaltungen, nicht regungslos
In Folge dieser chauvinistischen Maßnahmen blieb die kurdische Bewegung
in Syrien trotz ihrer Spaltungen, an der die Bewegung litt, nicht
regungslos.
So haben sich im Jahre 1990 einige kurdische Parteien geeinigt, nämlich
- die Kurdische Demokratische Partei der Arbeit in Syrien
- die Kurdische Partei der Linke / Konferenz
- die Kurdische Demokratische Partei in Syrien ( Al-Party).
Die neu entstandene Partei nannte sich die Vereinigte Kurdische
Demokratische Partei in Syrien. 1992 wurde eine gemeinsame Führung von
der Partei gegründet, nämlich der
- Kurdischen Demokratischen Partei der Werktätigen in Syrien
- Kurdischen Partei der Volksunion in Syrien
- Vereinigte Kurdische Demokratischen Partei in Syrien.
Die erste Maßnahme dieser gemeinsamen Führung war das Anbringen von
Plakaten als Erinnerung an den 30. Jahrestages des Verbrechens der
"Volkszahlung", sie fand am 5.10.1992 statt. Die Antwort der
chauvinistischen Behörden war sehr massiv, es wurden über 400 Mitglieder
und Unterstutzer dieser Parteien festgenommen.
Der erste vereinheitlichende Kongreß dieser Parteien fand daraufhin im
April 1993 statt. Die neue Partei nannte sich die "Kurdische
Demokratische Partei der Einheit in Syrien" (YEKITI).
Um diese chauvinistischen Maßnahmen des Regimes gegenüber dem kurdischen
Volk in Syrien zu entlarven, hat die Partei ihre Aktivitäten
kontinuierlich fortgesetzt. So wurden Erklärungen und Appelle, sowohl im
In- als auch im Ausland, verbreitet, was dazu führt, dass immer wieder
Mitglieder und Unterstutzer dieser Partei festgenommen werden, selbst
wenn die Forderungen der kurdischen Massen sehr einfach sind. So mochte
ich als Beispiel eine Begebenheit anführen, die ich selbst erlebt habe,
als ich mich noch in Syrien befand.
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