Konzert gegen Ehrenmorde
Sivan Perwer singt im Tempodrom, Millionen Kurden werden mithören
Michaela Schlagenwerth
Berliner Zeitung, 20.05.06
An
diesem Wochenende wird die Ehefrau des irakischen Staatspräsidenten nach
Berlin reisen. Auch viele kurdische Bürgermeister aus der Türkei haben
sich wegen eines Konzerts auf den weiten Weg gemacht. Im Tempodrom wird
Sivan Perwer mit Rojin und der Neofolk-Band Kardes Türküler singen.
Sivan Perwer ist die Stimme der Kurden, er ist ihr populärster Sänger
und ihr kultureller Botschafter. Das Konzert wird ein Statement sein
gegen Ehrenmorde und Gewalt an Frauen. Es wird von mehreren kurdischen
Fernsehsendern übertragen, Millionen von Kurden werden davon erfahren.
Seit dem Ehrenmord an Hatun Sürücü und Necla Keleks Bestseller "Die
fremde Braut" wird in Deutschland viel über das Thema berichtet. Die
Politiker nehmen deutlich Stellung. Aber zu dem Konzert wird keiner der
von Perwer eingeladenen Mitglieder der Bundesregierung kommen. Sie
werden auch keine Stellvertreter schicken.
Sivan Perwer lebt seit fast dreißig Jahren in Deutschland. In den
siebziger Jahren hatte er als Student in Ankara erste Kassetten
aufgenommen, die in kurdischen Kreisen unter der Hand zirkulierten und
zu Gesinnungsgenossen im Irak und im Iran geschmuggelt wurden. Denn
Sivan Perwer sang auf kurdisch und das war verboten. Er kam ins
Gefängnis, ging nach Deutschland ins Exil und wurde mit seinen
traditionellen Volksliedern und modernen Protestsongs nicht nur zum
wichtigsten Musiker, sondern auch zur wichtigsten Integrationsfigur der
Kurden in aller Welt. Im vergangenen Jahr trat er in Berlin bei einem
Konzert gegen Antisemitismus und Rassismus auf.
Er hat sich schon öfter bei drohenden Ehrenmorden eingesetzt habe. Eine
Frau, die sich vor ihrer Familie verstecken musste, weil sie einen
Liebhaber hatte, wandte sich an Perwer. "Er hat mit der Familie
gesprochen und sie haben sich mit der Tochter versöhnt. Er ist ein
Vorbild, viele Kurden hören auf ihn," sagt Ahmet Dag, der Pressesprecher
der "Internationalen Kulturstiftung Sivan Perwer". Im Tempodrom wird
Hero Talabani, die nicht nur Frau des irakischen Staatspräsidenten,
sondern auch kurdische Feministin ist, eine Rede halten. Vor allem aber
gibt es gute Musik. Musik, von deren Schönheit seit Fatih Akins Film
"Crossing the Bridge" auch in Deutschland viele wissen.
Tempodrom, 20. Mai um 20 Uhr. Karten unter 61 10 13 13
Berliner Zeitung, 20.05.2006
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/552184.html
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