GEWALT IN TÜRKISCHEN KURDENGEBIETEN
Neuer Aufstand?
 

Von Nils Philipp

vlothoer-anzeiger 05.04.06

Es gärt wieder einmal im Südosten der Türkei. In der mehrheitlich von Kurden bewohnten Region kommt es seit einigen Tagen zu gewalttätigen, blutigen Unruhen; sie strahlten letzthin bis in die Metropole Istanbul aus und haben bereits zahlreiche Todesopfer gefordert. Droht dort ein neuer Aufstand, ein neuer "Kurden-Krieg" gar wie vor Jahren zwischen den erbarmungslos vorgehenden türkischen Armeeeinheiten und den nicht weniger bedenkenlos mordenden und brennenden Guerilleros der kurdischen Befreiungsfront PKK?

Es könnte sein, dass den kurdischen Separatisten der Zeitpunkt geeignet erscheint, ihre Sache wieder gewaltsam zu vertreten: Die erfolgreichen Autonomie-Bestrebungen ihrer Stammesbrüder im benachbarten Irak haben Auftrieb gegeben, und auch unter den Vettern im Iran gibt es Anzeichen für Unruhe angesichts des streng schiitischen Kurses der Führung in Teheran. Auf der anderen Seite hat die türkische Regierung wenig bis nichts getan, die Zeit des Waffenstillstands mit der PKK für eine sachorientierte Lösung des ethnischen Konflikts zu nutzen - im Gegenteil blieb es bei kultureller Diskriminierung, politischer Unterdrückung und ökonomischer Vernachlässigung.

In Ankara müsste man sich darauf besinnen, dass auch eine befriedigende Antwort auf die Kurden-Frage zu den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen mit der Europäischen Union gehören wird. Und ein Blick nach Spanien, wo Zentralregierung und Autonomisten - vor allem im viele Jahre terrorgeplagten Basken-Land - einen Ausweg gefunden haben, könnte, bei allen Unterschieden, helfen.

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