Öffentliche Erklärung
zum türkischen Aktionsfilm „Tal der Wölfe-Irak“
In den deutschen Kinos sorgt der zur Zeit laufende türkische
Action-Film „Tal der Wölfe – Irak“ für Furore bei türkischen Migranten,
besonders Jugendlichen, sowie in der deutschen Politik und den Medien.
Er scheint nach einer als Demütigung empfundenen, tatsächlichen
Begebenheit aus dem Jahr 2003 zur Beruhigung der „türkischen Seele“ und
Wiederherstellung „der verletzten türkischen Ehre und des beleidigten
türkischen Stolzes“ beitragen zu sollen.
Die Ausgangssituation für den Film ist ein Ereignis, das sich am 04.
Juli 2003 in der Stadt Sulaymaniya/Irakisch-Kurdistan zutrug. Damals
wurden 11 Offiziere und Angehörige der türkischen Spezialeinheiten von
amerikanischen Militärs gefangen genommen und mit über ihren Köpfen
gestülpten Säcken zur Vernehmung abgeführt.
Diesen Vorgang haben der türkische Generalstab, die Regierung und Medien
sowie die türkische Öffentlichkeit als Beleidigung und Schmach
empfunden. Man behauptete, dass die US-Amerikaner dies bewusst
inszeniert hätten, um sich an den Türken zu rächen, da diese sich kurz
vorher geweigert hatten, die Amerikaner im Irak-Krieg zu unterstützen.
Man verlangte von der Bush-Administration für die Beleidigung sogar eine
Entschuldigung.
Als die amerikanische Administration erklärte, dass sie Pläne und
Material über einen Anschlag dieser Sonder-Einheit in der Hand habe,
hörte die Diskussion über dieses Thema schlagartig auf.
Denn tatsächlich hatte die gefangen genommene Sondereinheit ein Attentat
auf den Gouverneur der Provinz Kirkuk vorbereitet. Der kurdische
Geheimdienst, der die Aktivitäten und den Plan dieser Einheit erfahren
und beobachtet hatte, benachrichtigte kurz vor dem Attentat die
amerikanischen Sicherheitskräfte, die durch die Gefangennahme die Tat
vereitelten .
Sowohl für die Amerikaner als auch für die Kurden war damals klar, dass
diese türkische Sondereinheit nicht selbstständig, sondern im Auftrag
des türkischen Staates gehandelt hatte. Diese Tatsache wurde der
türkischen Öffentlichkeit allerdings bis heute verschwiegen.
In dem Film beschließt nun – ähnlich wie in den Hollywood-Rambo-Filmen –
der türkische Rambo Polat Alemdar für diese Schmach Rache an den
US-amerikanischen Beauftragten im Irak zu nehmen.
Dabei ist es für die ZuschauerInnen, die einigermaßen Sachkenntnisse
über die Verhältnisse im Irak und Irakisch-Kurdistan haben,
offensichtlich, dass weder die Handlung des Filmes noch die Zielsetzung
mit der Realität zu tun haben.
Hier werden Ressentiments und bewusst Hass und Vorurteile erzeugt, und
zwar gegen:
• Kurden
• Juden und Israel
• den Westen, insbesondere gegen die USA
Kurden, Araber und Juden werden in dem Film im Gegensatz zu den
Turkmenen, die als „Soydas“, türkisch sprechende Stammesverwandte und
damit als die „Guten“ auf der richtigen Seite die Filmhelden in ihrem
Kampf unterstützen, als primitive „Eingeborene“ dargestellt . Einer der
RAMBO-Typen spricht sogar von „dreckigen Kurden“, eine Aussage, die in
der Türkei immer noch geläufig ist.
Der Westen und insbesondere die US-Amerikaner sind in dem Film
ausnahmslos arrogant, brutal, christlich-fundamentalistisch und ziehen
mordend durch den Irak.
Die scharfen Reaktionen mancher deutschen PolitikerInnen und der
Jüdischen Gemeinde sind verständlich, weil derartige Filme den Graben
zwischen den MigrantInnen aus der Türkei und der deutschen
Mehrheitsgesellschaft vertiefen, die angestrebte Integration hemmen und
die Bildung der so genannten „Parallelgesellschaft“ forcieren. Die
antichristliche Haltung mancher muslimischer Gruppen in den europäischen
Staaten wird gestärkt.
Allerdings sind wir nicht der Meinung, dass die weitere Aufführung
dieses Filmes in Deutschland verboten werden sollte. Denn während wir
von der Türkei die Meinungs- und Pressefreiheit fordern und die dort
immer noch übliche Zensur kritisieren, können wir selber nicht die
Meinungsfreiheit unterdrücken bzw. Presse- oder Filmerzeugnisse
verbieten.
• Wir fordern aber, dass das Alter der Besucher dieses Filmes auf 18
Jahre angehoben wird; der Film ist wie jeder andere Gewalt
verherrlichende Film oder Porno zu behandeln, der in deutschen Kinos
gezeigt wird.
• Wir fordern die Öffentlichkeit auf, diesen völker- und
menschenfeindlichen Film zu boykottieren.
• Wir fordern insbesondere die türkischen und türkischstämmigen
Organisationen auf, sich von diesem andere Völker diskriminierenden,
nationalistischen Machwerk zu distanzieren und sich ebenfalls für ein
derartiges Boykott einzusetzen.
24. Februar 2006
UnterzeichnerInnen:
1.) IMK e.V. - Internationales Zentrum für die Menschenrechte der Kurden
2.) AWADANI e.V. – Kurdisches Forum in Deutschland e.V.
3.) KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan e.V.
4.) Yezidisches Forum in Deutschland e.V.
5.) Gemeinde der syrischen Kurden in Berlin und Brandenburg e.V.
6.) KOMJIN – Frauenbüro
7.) KOMCIWAN – Verband der kurdischen Jugendlichen in Deutschland
ViSdP: Abubekir Saydam (Geschäftsführer)
IMK e.V.
Postfach 200738, 53 137 Bonn
Tel.: 0228/36 28 02, Fax: 0228/36 32 97
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