Liebe als Verstandsenttäuschung
von Firas Oskan
efrin.net 06.08.05
[Lüge ist die Grundlage aller Verworfenheiten; und die Frau lügt,
immer wenn sie redet] ( Le Fontine)
Grundbedeutung des griechischen Wortes „Logos“ ist die der Rede. Alle
anderen Bedeutungen wie Vernunft, Urteil, Begriff, Difinition, Grund,
Verhältnis und Wahrheit können als Modi der Rede angesehen werden. Der
Logos lässt etwas sehen, nähmlich das, wovon die Rede ist. Er kann dies
wahr oder falsch tun: Wahr ist der Logos dann, wenn er das, wovon die
Rede ist, „entdeckt“, d.h. aus der Verborgenheit herausführt. Falsch ist
der Logos dann, wenn er über das, wovon die Rede ist, täuscht, also es
„verdeckt“.
Egal, ob die Rede hier von „ Make-up“ oder von „ Schleier“ ist,
erscheind die Frau im Geegnstandsbereich des Logos immer noch als
„Sehtäuschung“, die im allgemeinen zu „Verstandsenttäuschung“ führt.
Sowohl das Make-up als auch die Schleier ermöglichen jener Frau, in der
Gesellschaft, in der sie als Frau lebt, Trugrolle zu spielen. Dieser
Betrug, durch welchen die frauliche Rollenidentität in der
Gesellschaftsstruktur charakterisiert ist, stellt allerdings „ sozielle
Heuchelei“ dar, in der der Sinn der Lüge verdoppelt wird. Die heuchlei
lässt etwas zeigen, aber zugleich auch etwas anders verstecken, also
redet man hier von einer Doppelstruktur der Lüge, die sich gleichzeitig
auf das „ Gezeigte“ und auf das „Versteckte“ bezieht.
Dieses Erscheinungsbild der Frau als „ Sehtäuschung“ist tifeliegend in
der Anthropologie verwurzelt, so dass wir es in der Legende von „ Adam
und Eva“ entdecken können. In solch einer Legende indieziert Eva als die
erste in-der-Welt-seiende Frau das Erscheinungsbild von einer „
Schlange“, die immer ihre „Haut“ abwechselt, um „Unsterblichkeit“ immer
wieder zu erwerben, welche ihr der Gott entzogen hat. Eva und deren
Nachkommen versuchen immer, etwas zwischen ihren Beinen zu verdecken,
das gewissermaßen der erste Gegenstand des Logos darstellt. Im
allgemeinen können wir das „Geschlechtsverkehr“ mit „ Wissen“
vergleichen: Das Geschletsverkehr lässt etwas, das zwischen den Beinen
versteckt ist, entdecken, also dann es beherrschen. Das Wissen lässt
etwas, das hinter der Verborgenheit versteckt ist, entdecken, also dann
es als Gegenstand des Logos beherrschen. Im Rahmen eines
Geschlechtsverkehrs bzw. Familie wurde der Mann in vielen Sprachen
„Herr“ bennant. Deshalb kann das Wesen des Geschlechtsverkehr als
Einleitung zum Welt- und Seinsverstand angesehen werden. Als Adam den
Apfel gegessen hat, wurde ihm die Schamteile von Eva aufgedeckt. Diese
Schöpfungsmomente stellen allerdings die biologische Entstehung, welche
Adam etwas essen ließ, und die ontische Entstehung, welche Adam etwas
sehen ließ, dar. An der „ ersten Sünde“ lässt sich ein „ontologischer
Unterbruch“ aufweisen, bei dem es um den Zweispalt zwischen Gott und
Welt geht, also die Trennung des Menschen von göttlichen Selbst. In
disen ontologischen Trennungsmoment vom Gott ist Adam die Frage nach dem
Sinn dessen in-der-Welt-Seins aufgefallen, der gerade darin bestand, das
Geschlechtsverkehr mit Eva zu haben, also dann sie zu beherrschen, da
sich die Schamteile als der ersten Gegenstand des Logos herausgestellt
haben. Der Sinn des männlichen in-der-Welt-Seins ist also mit „Wissen“
gleichzusetzen, nämlich „Herrsein“. Der Sinn des in-der-Welt-Seins Evas
entsand dagegen darin, die Schamteile zu verdecken, also zu trügen. Der
Sinn des fräulichen in-der-Welt-Seins ist also mit „Unsterblichkeit“
gleichzusetzen, nämlich“Jungsein“. Jungfrau bedeutet eine junge Frau,
und zugleich auch diejenige Frauch, die immer noch von keinem Mann
berührt ist. Auf der Ebene des Alltagsbewusstseins können wir zu
demselben Schluss kommen, wenn wir die Frauen nach deren „Alter“, und
die Männer nach deren wissensbezogenen Erfahrungen fragen.
Liebe, in welcher sich die Frau nicht als Subjekt, sondern als Objekt
der Liebe herausstellt, also als das „ Geliebte“, leget „falsche Antwort
auf die ontologischen Fragen nach dem Sinn des in-der-Welt-Seins vor,
genau wie „Ideologien“ falsche Antwort auf die wissenschaftlichen Fragen
nach dem Wesen des Logosgegenstand vorlegen. Falsch ist der Logos der
Liebe, da er über das Geschlechtsverkehr täuscht, also es verdeckt.
Falsch auch ist der Logos der Ideologie, da er über das Wesen der
Wissensgegenstandes täuscht, also es verdeckt. Innerhalb der Ideologie
wird der Mensch als Subjekt vom Wissensgegenstands als Objekt
entfremdet; innerhalb der Liebe wird der Mensch als Subjekt von sich als
Objekt entfremdet. Was für „ fanatistische Ideologien“ gilt, das trifft
gleichermäßig auf „fanatistische Liebe“( wie Mem u Zin in unserer
Tradition) zu; die beide können in Selbstmord resultieren, d.h. das
in-der-Welt-Sein vernichten. Liebe ist nicht nur die eigene Ideologie
des „Liebenden“, das das Subjekt der Liebe darstellt, sondern ebenfalls
die des „ Geliebten“, das das Objekt der Liebe darstellt, in dem dies
durch die Vorstellungen des Liebenden beherrscht ist, und entsprechend
dessen Geltungsansprüche handelt. Hier können wir von einem „ zweiten
ontologischen Unterbruch“ reden, bei dem es um den Zweispalt zwischen
Geist und Natur geht, also um die Trennung des Menschen vom menschlichen
Selbst. In diesen ontologichen Trennungsmomment wird das“Bewusst“ vom „
Sein“ losgetrennt, wobei der Zweispalt im Grundbegriff
„Bewusst-/Sein“ ( Das Bewusstsein ist nichts anders als das „bewusste
Sein“ ) nicht überbrückbar wird. Die Ideologie, obwohl sie in ihrem
tiefliegenden Grund „Wissenschaftlichkeit“ verdeckt, ist geprägt von
falschem Bewusstsein. Die Liebe, obwohl sie in ihrem tiefliegenden Grund
„Menschlichkeit“ verdeckt, ist geprägt von tierischen Trieb.
Auf die ontologische Frage:“ Warum hast Du dich verliebt?“, welche das
Fundament der Liebe thematiseit, antworten Liebene und Gelibet im
allgemeinen wie folgend : “Ich weiß nicht.“ Dies „weiß nicht“ stellt
allerdings die Liebe als „Verstandsenttsäuschung“ heraus. Wenn wir das
Geschlechtsverkehr abstrhieren, dann ergibt sich die Beziehung
Liebende/Geliebte ; das eine ist konkret , das andere abstrakt. Im
allgemeinen stellt die Beziehung Mann/Frau einen tierischen Trieb dar,
der im Rahmen deren konkreten Form bzw. Geschlechtsverkehrs entdeckt
werden kann, indem sie auf dem Prinzip Subjekt-Objekt basiert. Wir
argumentieren, diese Beziehung kann auf der Ebene der Menschlechkeit
konstruiert werden, wenn wir auf Fraulichkeit und Männlichkeit
verzichten würden, also wenn diese an sich abgezielt würde. Mit anderen
Worten: wenn die Liebe auf der Ebene der Intersubjektivität, die auf dem
Prinzip Subjekt-Subjekt basiert, difiniert würde. Nur dann würde
das“Selbst“ das „andere“ als Selbst erkennen, das denselben Grad der
Menschlichkeit besitzt, und zugleich auch, dass es selber in den Augen
des anderen als ein „ anders“ zu sein scheint. Liebe in deren
menschlicher Phase wäre eine „existenzielle Situation“, in der das
Selbst auf das andere liebend zugeht, das sich wahr an dessen bewusstem
in-der-Welt-Seins beteiligt. Es müsste das Ziel der Liebe sein, das
einer „ ontologischen Rehabilation“ bedarf, die nur innerhlb der Liebe
erreicht werden kann.
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